Donnerstag, 28. Mai 2015

Stricken mit besonderen Erfahrungen

Heute  gibt es viele Bilder und die Geschichte von einem ganz persönlichen Kampf.

Begonnen hat alles mit diesem Blogeintrag und der dazu veröffentlichten Anleitung.

Ich wollte unbedingt genau diese Tasche.

P A R S A D A


Damit begann die Suche nach einer für mich bezahlbaren Filzwolle. Mehrere Varianten an Garn, Farben und Preisen wurden gespeichert, verworfen, neu zusammengestellt und berechnet. Am Ende habe ich mich für die Filzwolle von Supergarne.com in Farben die zu meiner Alltagskleidung in Jeans gut passt entschieden. (Hauptfarbe Kieselgrau und Blaugrau als Pausengarn)

Am 06.01.2015 stand eine Kiste mit 1,5 kg Filzwolle vor mir. Da wurde mir schon etwas mulmig.
Mutig, bewaffnet mit NS 8 (Kochlöffelstärke), habe ich mich ins Abenteuer gestürzt.


Beginnend mit der Bodenplatte die auch recht fix gestrickt war. Das erste Mal in meinem Leben durfte ich Biesen stricken. Juchhu - die  bebilderte Anleitung konnte ich toll nacharbeiten.


Doch da ahnte ich schon das es eine abenteuerliche Reise mit dem neuen "Begleiter" - das ist die Übersetzung von Parsada - und mir wird.

Die Vorder- und Rückenplatte wird klassisch geswingt. Keine Angst:  Die Anleitung ist in der Swing-Stricken™ Light Technik geschrieben. Für diese Technik bekommt ihr zur Anleitung einen extra Theorieteil mit bebilderten Schritt für Schritt Erläuterungen dazu.

UND auch hier gibt es wieder eine Biese um jedes Teil.

Doch jetzt fehlte mir etwas ganz Wichtiges:  Nadelseile zum einweben für die Biese und zum stilllegen der Maschen. Die Tasche wir nämlich in einem Stück gearbeitet und kommt bis auf  vier Ausnahmen ohne zusammen nähen aus.

Diese Seile waren alle am Entstehungsprozeß der Tasche beteiligt.
Das "Teil" hatte inzwischen aus meiner Sicht "gigantische" Ausmaße und erinnerte mich eher an einen Koffer als an eine Tasche. Inzwischen waren knapp 1100 g Filzwolle verarbeitet und die hingen an den Nadeln.


Da ging mir echt die Luft aus.

Es war mir ZU VIEL!  

Zu viel an Wolle.     Zu viel an Größe.     Zu viel an Gewicht.

Meine Handgelenke, Ellenbogen und Schultern mauzten wütend und ich merke, dass ich leicht aggressiv wurde wenn ich das Projekt ansah bzw.daran dachte. Ich habe mich mit allen Fasern meines Körpers und mental dagegen gewehrt.

Trotzdem oder gerade deshalb habe ich den "Wollhaufen" in Reich- und Sichtweite "auf Eis" gelegt.

Das Swing-Strick-Treffen in Helmstedt nahte. Für mich war das der Ansporn: "Die Tasche kannst du da zeigen."

Also tapfer wieder gestrickt. Die Trageriemen knapp 2 m lang und wieder diese Biese *stöhn*. Nach Helmstedt haben es mein "Begleiter" und ich dann doch nicht geschafft.

Doch das Treffen in Helmstedt hat mich mit meinem "Begleiter" versöhnt und mir Mut gemacht das letzte Stück doch gemeinsam zu gehen. Als "Zielprämie" habe ich im Kreativladen Helmstedt zwei wunderschöne exakt passende Knöpfe gefunden. (Sie lagen da so einsam und verlassen in einem Wühlkörbchen und waren nur noch zu zweit - die Mitleidsmasche hilft bei mir "fast" immer). Kurz vor der Vollendung ging mir noch das einfarbige Garn aus. Da habe ich dann doch irgendwie gelitten als ich warten musste. (Ein gutes Zeichen zeigte es mir doch: ich wollte wieder)

Am Pfingstmontag war dann alles geschafft, das Stricken und die letzte Hürde der Maschenstich für die Seitennähte.


Alles in die Waschmaschine mit reichlich Waschmittel, drei Tennisbällen und den besten Wünschen für gutes Gelingen von Heidrun persönlich. Selbst mein Mann war aufgeregt als ich das Teil nach der ersten 60°C Wäsche aus der Maschine holte. Es war geschrumpft aber für meine Begriffe nicht noch nicht genug. Also gab es den zweiten Waschgang. Danach wurde sie im Bauch ausgestopft mit einer IKEA Kassett Kiste (27x35x18 cm) und durfte zwei Tage trocknen.

Jetzt ist sie fertig!


Mein Fazit:
  • super Anleitung
  • meine gewählte Filzwolle erzielte ein wunderbar gewalktes Aussehen und hat 60°C Wäsche mit normalen Waschmittel auch farbtechnisch nicht übel genommen
  • ich habe jetzt einen riesigen Fundus an Nadelseilen und den sollte sich jeder der diese Tasche nacharbeitet auch bereit legen bzw. die Biesen der einzelnen Teile (außer Bodenplatte) erst am Ende anstricken.
  • für meine Verschlußvariante habe ich in die Lasche ein Knopfloch eingestrickt um mit den Knöpfen eine variable Schließe zu haben.
  • die Trageriemen habe ich letztendlich zusammen genäht. (bei mehr Knöpfen wären diese hier auch zum Versetzen der Riemen zum Einsatz gekommen.)  
  • vom einfarbigen Garn sind noch 50 g  und vom Farbverlaufsgarn ca. 30 g übrig, daraus werde ich eine Innentasche für Schlüssel, Handy und die gefühlten 1000 Kleinigkeiten die Frau so braucht arbeiten
  • diese Tasche ist kein "Leichtgewicht" doch sehr stabil und geräumig 
  • eher ein Modell für den Winter, weil derb und schwer
  • ich werde die Tasche noch einmal arbeiten aber mit "dünnerem" Garn und gefilzten Handtaschenformat

Ein dickes DANKESCHÖN möchte ich hier lassen für

  • Heidrun Liegmann-Halama für die vielen schnellen Tipps zwischendurch, das Verständnis und die Motivation UND das tolle Design
  • den Mädels in der FB Gruppe "Tabalinowolle und Desing" die mir Mut gemacht haben. Eure Likes waren sehr wichtig für mich.
  • Petra Neumann für die tolle Organisation des Swing-Strick-Treffens bei dem ich mich ausgiebig austauschen und durchfragen und andere Taschen noch einmal Probe tragen durfte. 
  • meinen Mann der miterleben durfte wie ich wütend aufgeben wollte und mich ermuntert hat doch weiter zu stricken
  • meiner Katze die nun endlich begreifen muss das der "Wollhaufen"  nicht mehr ihr Schlafraum ist

Diese Geschichte musste ich euch  genau so erzählen. Zeigt sie doch, dass Frau beim Lieblingshobby Stricken auch an ihre Grenzen kommen kann und diese auch überwindet. Vielleicht habt ihr auch Projekte die euch so herausfordern und ich konnte euch hiermit Mut machen diese zu beenden.

JETZT genieße ich die Zukunft mit meinem neuen Begleiter.










Kommentar veröffentlichen